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Dachstiftung Diakonie

Lebenswendefeier in der Stephansstiftskirche

Die Idee stammt aus Ostdeutschland und wurde im vergangenen Jahr erstmals in Hannover als einer westdeutschen Großstadt durchgeführt: Eine Lebenswendefeier ist ökumenisch in der Stephansstiftskirche in Hannover mit vier Jugendlichen gefeiert worden – und wird es jetzt wieder am 20. Juni in größerem Rahmen. Die Jugendlichen werden bewusst bei den Vorbereitungstreffen und der Feier mit einbezogen. „Du bist wertvoll, wichtig und gesehen. Auf deinem Leben liegt ein Segen“, beschreibt der evangelische Jugendkirchenpastor Alexander Schreeb die Botschaft. Angesichts von Corona, Klimakrise und Krieg soll so Hoffnung, besonders unter die Jugendlichen, kommen. 

„Wir als kirchlich Professionelle haben eine hohe Ritualkompetenz und kommen so dem hohen Bedürfnis nach Begleitung an Übergängen entgegen“, sagt Schulpastorin Kristina Wollnik-Hagen, die am Diakoniekolleg unterrichtet, das zur Dachstiftung Diakonie gehört. Dieses Angebot ergänze die Konfirmation und Firmung, die in bildungsbürgerlichen Gemeinden gut laufen und weiterlaufen sollen. Im Blick seien hier Gemeinden, die keine Anmeldungen mehr dafür haben; wo Menschen eher in anderen Milieus leben; oder Jugendliche, wie die vier im letzten Jahr, die aus der Jugendhilfe kamen und oft auch keine religiöse Bindung oder Prägung haben. „Das machen wir bewusst als Diakonie und wollen hier Kirche für alle sein“. „Das Ritual ist nicht an Mitgliedschaft gebunden. Segen ist für alle Menschen da“, sagt sie. 

So hatten auch die 18-jährige Sofia und der 20-jährige Maboob keine kirchliche Bindung. Maboob ist sogar vor dreieinhalb Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, hat sich nun aber am Ostersonntag taufen lassen. „Die Lebenswendefeier hat eine missionarische Dimension, aber keine missionarische Intention“ sagt Wollnik-Hagen. Bei den Vorbereitungsterminen sei es um Sinnfragen gegangen: Wer bin ich? Wo will ich hin? In der Feier sei „Gott“ als Wort nur im Segen vorgekommen.

Sofia berichtet, dass bei den vier bis fünf Vortreffen im Mittelpunkt stand, was die Jugendlichen sich vorstellen und welche Wünsche sie haben. Dort wurden Steine bemalt und mit Belastendem aus der Kindheit beschriftet und bei der Feier auf dem Altar abgelegt. Auch wurde eine Lebens-Kerze gestaltet und bei der Feier erstmals entzündet. Bei dieser übereichte und erklärte Kristina Wollnik-Hagen eine kleine Schatzkiste als „Kiste voller Leben“ mit symbolischen Geschenken: Beispielweise steht eine Mütze für „Behütet sein“ und eine Landkarte für Orientierung.   

„Es war eine sehr, sehr schöne Erfahrung“, erzählt Sofia. Sie und Maboob beeindruckten auch die Lieder von Louk und Levi. Louk ist ehemaliger Schüler des Diakoniekollegs und Transperson und Musiker. Er ermutigte die Jugendlichen, ihren eigenen Weg zu gehen. Im Anschluss gab es Essen. Das ganze mit Vorbereitung, Feier und Fotograf kostet nur 50 Euro. „Für manche ist die Ausrichtung einer Konfirmationsfeier ein finanzielles Brett“, sagt Schreeb. 

Pastoralreferent Markus Leim vom katholischen Stadtdekanat Hannover berichtet, wie er die Feier in Halle kennenlernte und mit nach Hannover brachte. Das ökumenische Team veranstaltete beim Kirchentag auch einen gut besuchten Workshop dazu. In Halle seien mittlerweile mit 700 Anmeldungen mehr Jugendliche bei der Lebenswende als bei der Jugendweihe. Schreeb könnte sich vorstellen, dass in zehn oder zwanzig Jahren es auch eine große Lebenswendefeier in Hannover in der Marktkirche gibt mit anschließendem Stadtteilfest. 
 

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